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    05/2003
Laudatio von Joachim Kaps

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Zur Ausstellungseröffnung am 9. Mai 2003 in der CARICATURA in Kassel hielt Dr. Joachim Kaps, mein brillanter und sagenhaft behaarter Verleger und Freund, folgende, wundervolle Rede:



Zwei pragmatische Prämissen und das Jamirische Dings
Rede zur Eröffnung der Ausstellung "Richterskala"
Caricatura Kassel am 09.05.2003

Guten Abend, meine sehr verehrten Damen und Herren!

Wissen Sie, was eine „pragmatische Prämisse“ ist? Ich weiß es, denn ich kenne JAMIRI. In der ersten Geschichte seines höchst wunderbaren ersten Buches „Carpe Noctem“ erklärt er unter Zuhilfenahme der Figur eines gewissen „X“, was man unter pragmatischen Prämissen verstehen darf. „Die meiste Zeit verbrachte X damit“, so ist es der Geschichte zu entnehmen, „aus dem Fenster zu starren und über den Sinn des Lebens nachzudenken.“ Es folgen einige Anmerkungen über das halbherzige Betreiben von Studien und das Säubern von Katzenklos, dann geht es wie folgt weiter: „Diverse Unterpunkte seiner Fragestellung – der also nach dem Sinn des Lebens - hatte X mit Vermutungen belegt, die er a) „pragmatische Prämissen“ nannte, und die b) reiner Blödsinn waren, es ihm aber ermöglichten, auf ihnen ein verschachteltes Konstrukt weiterer Spekulationen zu errichten, die unausweichlich noch viel größerer Blödsinn sein mussten.“

Das klingt doch nett und unterhaltsam! Ganz nach dem alten Motto „Wenn du dein Gegenüber nicht wirklich überzeugen kannst, versuche es zumindest zu verwirren.“ Und da ich weiß, dass sich hier heute Abend viele höchst intelligente Leute versammelt haben, die somit zu überzeugen keine leichte Aufgabe ist, will es mir wohl gefallen, mit zwei pragmatischen Prämissen den Abend zu eröffnen und mir so einen intellektuellen Vorteil zu verschaffen: Pragmatische Prämisse 1: Ich will JAMIRI heute Abend nicht über den grünen Klee loben, denn das haben ja andere schon oft genug getan. Pragmatische Prämisse 2: Ich glaube nicht einmal, dass es JAMIRI wirklich gibt. Beides klingt auf den ersten Blick blödsinnig genug, so will mir scheinen, um Sie eine Weile abzulenken. Und somit kann ich mit meiner eigentlichen Rede wohl beginnen.

Vor einigen Wochen teilte mir die freundliche Stimme, die sich in meinem Computer wohl zu fühlen scheint, in der mir bestens bekannten Tonlage mit, ich hätte wieder einmal Post. Ein paar Klicks später hatte ich den digitalen Briefumschlag geöffnet und las die neue Nachricht: Man plane, so hieß es da, eine Ausstellung mit Arbeiten von JAMIRI, was ja lange überfällig sei, da sich sein guter Ruf weit über die Grenzen des Ruhrgebiets hinaus bis hin nach Kassel fortgepflanzt habe. Der Künstler habe der Veranstaltung bereits zugestimmt, und nun frage man sich, ob ich als sein Verleger nicht die Laudatio zur Eröffnung für ihn halten wolle.

Ich konnte es nicht fassen! Eine Ausstellung! Mit Arbeiten von JAMIRI! Neuen Arbeiten dazu, auf die wir im Verlag seit Monaten schon vergebens gewartet hatten. In aller Öffentlichkeit! Mit einem feierlichen Festakt zu Beginn! Und der Künstler, der es nicht müde wird, in jedem seiner Interviews zu betonen, dass er an sich weder die Öffentlichkeit noch feierliche Festakte mag, sei zu allem Überfluss bei der Eröffnung anwesend! Wieder und wieder las ich die Zeilen, aber der Inhalt blieb derselbe. Und mir wurde immer mehr bewusst, dass heute Abend endgültig alles, aber auch alles auffliegen wird…

Nun stehe ich also hier und soll eine Laudatio halten. Eine Lobrede, so steht es in jedem guten Fremdwörterlexikon, in der die Leistungen und Verdienste der Person, die es zu loben gilt, hervorgehoben werden. Und es wäre ja in der Tat auch alles andere als schwierig, sich kurzerhand gedanklich in ein leichtes Leinentuch zu hüllen und sich frohlockend und Blumen um sich werfend in den bunten Reigen all der Lobredenschreiber einzureihen, die sich in Vergangenheit und Gegenwart in durchaus hinreichender Zahl schwärmend über den Zeichner Jan-Michael Richter geäußert haben.

Ob Szeneblatt oder alterwürdiger SPIEGEL, ob Comic-Freizeitkritiker oder Online-Redakteur, ob sein alter Freund Wiglaf Droste oder gar der Zeichner selbst - glaubt man den gesammelten Äußerungen der Kritiker, die sich aus Pressedatenbanken unter dem Stichwort JAMIRI hervorkramen lassen, so sind sich alle auffällig einig: Er ist, so heißt es da, "einer der talentiertesten Comiczeichner Deutschlands", "ein hell leuchtender Stern am Comic-Himmel", "vielleicht zurzeit sogar der Mond", ein "Genie" mit "Detailneurose" und - auch wenn dieses Zitat schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat - "ein feinfühliger Chronist des studentischen Alltags".

All dem könnte ich jetzt mit einem Handstreich ein paar ähnlich brillante Bilder hinzufügen, die JAMIRI als den "1. FC Bayern München des trockenen Humors" oder die "beste Bohne der Neunten Kunst" bezeichnen, als den "Michael Schumacher des gezeichneten Witzes" oder gar den "Cartoon-Superstar, den Deutschland nicht mehr suchen muss, weil es ihn schon gefunden hat." Das könnte ich jetzt alles tun, doch steht mir dabei meine „pragmatische Prämisse Nr.1“ im Weg. Und außerdem, so will es meine „pragmatische Prämisse Nr. 2“, muss endlich die Wahrheit ans Licht, dass es JAMIRI gar nicht gibt. Hier, jetzt, ungeschminkt und schonungslos! Sie sollen den zum Teil weiten Weg hierher nicht auf sich genommen haben sollen, um das zu hören, was man schon hundertfach lesen konnte. Also wird heute nicht gelobt, ich mag mich viel lieber empören!

Für was wurde JAMIRI in all den Lobhudeleien, die über ihn geschrieben wurden, denn eigentlich gefeiert? Geht man der Frage einmal näher nach, so will es den Argumentationsketten der Damen und Herren vom Feuilleton gefallen, dass der Zeichner in seinen Bildergeschichten angeblich das wirkliche Leben ohne große Abstriche und Hinzufügungen in Szene setzt, somit schon seit den späten 80ern das praktiziert, was RTL und Konsorten erst Jahre später „Big Brother“ nennen sollten. Und das zudem in einer Weise, die als Cartoon oder als Comic den Intellekt in viel geringerem Maße schädigt als die multimedialen Inszenierungen der Fernsehgiganten. Da ist die Rede von Authentizität, von den „Tücken des Alltags“, die lebensnah in Szene gesetzt werden, von hemmungsloser Ehrlichkeit und bestechendem Realismus.

Freund Droste, von dem ja schon die Rede war, umschreibt das so: „JAMIRIS radikal private Geschichten (…) widerlegen den wichtigtuerischen Unfug von der beschworenen Politik des Privaten allesamt; sie sind gerade deshalb so charmant, weil sie nicht über sich selbst hinausweisen wollen, weil sie das Private nicht verraten; an das Geblöke der in der Szene gerade zu habenden Meinung; über die Welt und dit und dat.“ - Gut formuliert, Herr Droste, aber was lässt Sie eigentlich glauben, dass wir in den Geschichten von Herrn Richter überhaupt etwas Privates erfahren?

Etwa der Umstand, dass es in seinen Comics Figuren gibt, die alle fünf Seiten einen trinken gehen und bei jedem zweiten dieser Anläufe hemmungslos abstürzen, was Micky Maus und Donald Duck bekanntlich nicht gerade oft passiert ist? Sind es die Wohnungen, die wir zu sehen bekommen, in denen es jene Toiletten und unaufgeräumten Küchen gibt, die wir bei Superman und Batman schon als Kinder stets vermisst haben?

Oder liegt es gar daran – und das würde ja Ihnen als großem Dichter und Denker wohl so passen - weil die Männer in diesen Geschichten ihre Frauen immer gerade dann am meisten lieben, wenn sie zuvor von ihnen harsch zurechtgewiesen wurden? Nein – von all dem glaube ich gar nichts. Warum auch?

All jene Kritiker, denen die Realitätsnähe und das Private an Jan-Michael Richters Comics so am Herzen liegt, würde ich gerne einmal mit einigen Bildern aus seinem Schaffen konfrontieren und dazu ein paar Fragen stellen:

Für wie wahrscheinlich halten Sie es eigentlich, dass jemand, der sich sein Geld mit Zeichnen und Barkeepen verdient, regelmäßig Besuch von Gott bekommt, und sich mit dem dann über die Frisur von Thomas Friedberger amüsieren kann?

Glauben Sie wirklich, dass die gleiche Person, wenn sie sich im Fernsehen einen Bericht über öffentlichkeitsflüchtige Prominente anschauen will, davon durch Elvis und Salman Rushdie abgehalten wird, weil die stattdessen lieber „Star Trek“ sehen wollen?

Und wollen Sie das gute Image, das Sie sich bei Ihren LeserINNEN mühsam dadurch aufgebaut haben, dass Sie immer wieder betonen, wie toll Ihnen Beate als starke weibliche Figur gefällt, allen Ernstes dadurch gefährden, dass Sie es nun als „realitätsnah“ bezeichnen, dass die gleiche Beate nur ein Roboter, ein Cyborg ist, dessen Verhalten man nur mit Hilfe eines geeigneten Lösungsbuches entschlüsseln kann?

Mal ehrlich, liebe Kritiker: Auch wenn Sie nun behaupten wollen, es könne ja immerhin irgendwie unter ganz besonderen Umständen doch so sein, dass Gott, Elvis und Salman Rushdie in JAMIRIS Wohnung ein und aus gehen, dann wollen Sie mit Beate, so wie SIE sie beschrieben haben, doch ganz gewiss keine Konflikte austragen müssen, weil Sie es für wahrscheinlich halten, dass sie eine Maschine ist, oder etwa doch? Nein, dieser Gefahr setze ich mich hier nicht aus, und deshalb werde ich Herrn Richter auch heute ganz gewiss nicht dafür loben, dass er angeblich den „Reality-Comic“ erfunden hat.

„Ha!“, ruft mir da ein mir namentlich ganz und gar unbekannter Schreiber des Magazins GIG in meinem Hinterkopf zu, „ICH hab’ es ja schon immer gesagt! Als ich das letzte Mal erwähnte, dass sich der Zeichner wieder einmal selbst übertroffen habe, erwähnte ich, dass – ich zitiere – ‚JAMIRI (…) bekannt ist für entrückte Spitzenklasse-Science-Fiction-Sprechblasengeschichten.’“. Diese Betrachtungsweise ist nun wiederum SO abwegig, dass sie mich in der Tat kurz innehalten lässt.

Meine Gedanken gleiten weit zurück in jene Zeit, in der ich erstmals an einer der damals in Studentenwohngemeinschaftsküchen unverzichtbaren Kork-Pinnwände auf eine der Geschichten jenes Zeichners traf, den die Bewohner der Küche liebevoll „Tschemmirai“ nannten – wohl, weil sie dachten, wenn komische Bildergeschichten noch immer mit dem englischen Begriff „Comic“ bezeichnet werden, müssten ihre Produzenten ganz zwangsläufig auch dem anglophonen Raum entspringen.

Jene Geschichte, betitelt mit „Galaxis der Ninja-Condome“, erzählt von einem kühnen Helden namens Space-Jamiri, an dessen Raumschiff der Lexmaul Twin-Turbo-Fäkalkonverter versagt, was ihn zur Notlandung auf dem Planeten Praecox zwingt. Das könnte man nun in der Tat als eine amüsante Reise in fremde Welten und ferne Zeit lesen, und Jan-Michael Richter damit – wenn schon nicht als Reality-Künstler – dann doch zumindest als begnadeten Realitätsflüchtling bezeichnen, was in unserer Zeit ja nicht minder salonfähig ist.

Doch kaum richtet sich der im Gestern wandernde Blick auf die letzten beiden Bilder der Geschichte an der Pinnwand, wird einem auch das gleich wieder madig gemacht. Da wendet sich doch allen Ernstes der König der Kondome an den tapferen Raumfahrer und sagt: „Deinen Starrsinn wirst du bitter bereuen, Kakerlak von Terra! Zur Strafe werden wir dich transformieren! In JAMIRI, den kritzelnden Humor-Zwerg! Debile Einfälle sollst du haben, Käsefüße, ein Alkoholproblem, du weißt schon. Viel Spaß!“

Zack! – Schon ist die schöne Illusion gleich wieder futsch. Ich sage nur soviel: Flash Gordon und Luke Skywalker wäre das nicht passiert.

Ähnlich nehmen die anderen vom GIG-Autoren sogenannten Science-Fiction-Geschichten dann ebenfalls ein Ende: Die „Invaders from Outer Webspace, die man angeblich im Omninet trifft, wenn man versehentlich die Tasten ALT, SHIFT, ESC und F12 gleichzeitig drückt, müssen zum Beispiel ganz leise sein, weil Beate Kopfschmerzen hat. Wenn Space-Jamiri in seinen späteren Abenteuern auf dem Planeten Zork umherwandert, der eine prächtige Kulisse für spannende Abenteuer bieten könnte, beginnt er, sich mit dessen Bewohnern über klassische Musik zu unterhalten. Und wenn er sich endlich mal, dem Zeitgeist folgend, deutlich martialischer geben will, findet das letztlich seinen Ausdruck darin, dass er ein mit Gesichtsmortadella belegtes Pausenbrot durchlöchert. Ein Pausenbrot, ich bitte Sie! Auch dafür gibt’s kein Lob! Das ist keine Science-Fiction, sondern Alltag pur!

Nanu?! – Habe ich Alltag gesagt? Das klingt nun wieder nach Reality und Authentizität. Wie unschön! Da will man sich eng am Werk des Künstlers entlang hangeln, um andere mit der Schlichtheit ihrer Gedanken zu konfrontieren, und landet dann an einem Punkt, an dem man noch Gefahr läuft, sich selbst zu widersprechen und damit bloßzustellen. Das ist höchst ärgerlich und zwingt mich auf meine pragmatische Prämisse Nr. 2 zurückzugreifen. Denn wenn es JAMIRI gar nicht gibt, ist ohnehin gänzlich egal, was welcher Kritiker je über ihn gesagt haben sollte. Also spielt es dann auch keinerlei Rolle mehr, ob meine Überlegungen in sich stringent waren. Über Dinge und Personen, die es nicht gibt, darf man ruhig irren, ohne dadurch seinen Ruf zu gefährden.

Also: Ich bin mir alles andere als sicher, ob es Jan-Michael Richter überhaupt gibt. Und dabei meine ich nicht nur jene Tage, an denen wir bei angekündigten Signierterminen vergebens auf den Autor warten, sondern ich meine das ganz allgemein und überhaupt. Vielleicht - und das ist letztlich auch nicht unwahrscheinlicher als Gott und Elvis in Wohnzimmern des Ruhrgebiets - vielleicht ist Jan-Michael Richter ja nur eine Figur, die sich Space-Jamiri und seine außerirdischen Freunde vom Planeten Zork ausgedacht haben, um uns mit ihrer Hilfe in dem von ihnen errichteten Omninet, dass wir für die Erde halten, die Zeit zu vertreiben, damit wir keinen Argwohn hegen, dass es die Erde gar nicht gibt.

Sind wir mal ehrlich: Wären die Zorks und Space-Jamiri tatsächlich milliardenschwere intergalaktische Medienmogule und würden uns Geschichten aus IHREM wirklichen Alltag ins Omninet einspeisen, würden Sie das dann miterleben wollen? Am Leben der Superreichen haben wir alle doch schon in den frühen 80ern – so etwa in der Mitte von „Dallas“ und „Denver-Clan“ – komplett jedes Interesse verloren. Wenn sich J. R. oder Alexis einmal mehr Gedanken machten, mit welchen fiesen Tricks sich wohl die nächste Million ergaunern lassen könne, fühlten wir uns schließlich viel zu sehr an die von uns für echt gehaltenen Nachrichten in der von uns für echt gehaltenen Morgenzeitung – und manch einer vielleicht auch an sein von ihm für echt gehaltenes eigenes Treiben - erinnert, und niemand fühlte sich daher von solcherlei Geschichten noch allzu gut unterhalten.

Dieses komplexe Problem sehr wohl erkennend, haben die Zorks und Space-Jamiri sich also jene höchst unwahrscheinliche Existenz eines Menschen namens Jan-Michael Richter ausgedacht, der 1966 in Hattingen an der Ruhr geboren wurde, als Kind die Walldorf-Schule besuchen muss, dort vom stechenden Blick eines Gemäldes von Rudolf Steiner so verschreckt wurde, dass er erst mit 18 Jahren sein Interesse am anderen Geschlecht entdeckte und sich gleich anschließend in ein Kommunikationsdesignstudium warf, obwohl doch jeder weiß, was für eine gleichermaßen brot- wie sinnlose Kunst dies ist. Um das ganz und gar Unwahrscheinliche noch verwirrender erscheinen zu lassen, hat man diese Figur dann auch noch Comic-Zeichner mit allerhöchsten Ansprüchen an sich und seine Arbeit werden lassen - und das in einem Land, in dem das Medium Comic ganz ohne Frage im weltweiten Vergleich den allerschlechtesten Ruf genießt.

Besonders perfide wird das Spiel der Zorks an jenen Stellen, an denen sie den frei erfundenen Zeichner Geschichten zeichnen lassen, die ihrerseits ebenfalls ja auch nur Teile des fiktiven Omninet sind, in denen dann aber das Omninet selbst zum Thema wird, dass uns in den Geschichten als fiktive Welt vorgegaukelt wird, die aber – statt für uns – nur für den Zeichner errichtet wurde, während er selbst als einzig echt in Szene gesetzt wird. Das ist geradezu teuflisch, lenkt es doch in der Umkehr aller Realitäten auf höchst perfide Weise vom eigentlichen Kern des Wahren ab. Gerade deshalb, weil die zuvor beschriebene Karriere so gänzlich unrealistisch klingt, gefällt es unseren ja immer und ewig kritisch sein wollenden Geistern erst recht, dieses und andere höchst unwahrscheinliche Konstrukte im Omninet für echt halten zu wollen. Und das erklärt denn auch, warum landauf, landab ein jeder so begeistert über den Zeichner Jan-Michael Richter Loblieder anstimmen mag. Wollen sich doch letztlich alle nur in der Gewissheit suhlen, dass unsere Welt echt und nicht nur ein von Außerirdischen gebautes gigantisches Hologramm ist.

Beängstigend? Das finde ich auch! Aber keine Sorge: Die berechtigten Zweifel an der Wirklichkeit, die meine Gedankenspiele bei dem einen oder anderen ausgelöst haben mögen, werde ich umgehend wieder zerschlagen – so will es ja auch der Vertrag, den Carlsen mit Space-Jamiri und den Zorks abgeschlossen hat,. Schließen wir also den Kreis und kehren zu jener Geschichte über „X“ zurück, bei der wir das Modell des Denkens unter Zuhilfenahme pragmatischer Prämissen entliehen haben. Am Ende heißt es da: „X fragte sich überdies, ob das Denken an sich ein geeignetes Medium war, relevante Erkenntnis auch nur über ein Brötchen zu erlangen.“ Na, da ist Durchatmen angesagt. Wenn dem so ist, dann brauchen wir ja nicht zu fürchten, dass aus der These, dass wir alle nur in einem Konstrukt der Zorks leben, auch nur ein Fünkchen echtes Wissen über die Welt und das Sein zu entwickeln ist. Da kommt man doch viel weiter, wenn man einen der höchst prächtigen Comics von Jan-Michael Richter liest.

Dafür sollte ihn eigentlich mal jemand loben…