
Andere schreiben ihre Erlebnisse in ein Tagebuch. Nicht
so der Student Jan-Michael Richter:
Er zeichnet und veröffentlicht sein Privatleben
Comics kommen Ihm nicht ins Haus. "Nee, auf keinen Fall kauf ich mir welche",
meint Jan-Michael Richter (30). Warum auch? Er zeichnet sie schlieþlich
selbst. Und da will er nicht Gefahr laufen, die Ideen anderer Zeichner nachzumachen.
Aber seine Sorge ist unbegründet. Jan-Michael Richter - kurz Jamiri
- bringt nur Geschichten zu Papier, die er selbst erlebt hat. "Na ja! Mehr
oder weniger jedenfalls. Manches erfinde ich auch" schränkt der Essener
Student für Illustration und Kommunikationsdesign ein.
An Inspiration mangelt es Ihm nicht, denn "das ganze Leben ist ein Comic".
So wie das Frühstück mit seinem Herzblatt Beate (siehe oben).
"Mal mich ja nicht häßlich!" war die einzige Bedingung, die Beate
Kleinschmitdt (30) stellte. Ansonsten darf ihr Lebensgefährte die Szenen
einer eheähnlichen Gemeinschaft unzensiert zu Papier bringen. Als Reality-Comic.
Jamiris Karriere als Comiczeichner begann 1988 an einem Kneipentisch: Er
saß neben Leuten, die darüber redeten, daß sie dringend
einen Comic-Zeichner für das Bochumer Stadtmagazin "Marabo" suchen.
Jamiri mischte sich einfach in das Gespräch ein. Seitdem verfolgen
die Bochumer Monat für Monat seine autobiographischen Abenteuer. Im
bundesweiten Hochschulmagazin UNICUM können Studenten sein Comic-Coming-out
seit 1993 miterleben.
"Ich bekam von Anfangn an wahnsinnig viele Leserbriefe. Die Leute wollten
unbedingt einen Comic-Band", freute sich der Künstler.
"Carpe Noctem" (UNICUM Edition) kam 1994 auf den Markt. Nun gibt's den zweiten
Band des Comic-Stiptease aus dem Hause Jamiri: "Bohéme 29".
Bei so viel Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache wundert es kaum,
daß es selbst Jamiris Eltern schwerfällt, zwischen Comic-Sohn
und Realitäts-Sohn zu trennen. Als die Zeitung einen Jamiri-Comic über
einen Unfall abdruckte, rief seine Mutter besorgt an:"Junge, wie geht's
dir?"
Jamiri sitzt gerade über Band drei seiner Alltagsaufzeichnungen. Der
wird gleichzeitig Diplomarbeit. "Irgendwann muß ich ja mit dem Studium
fertig werden." Den Titel seines neuen Lebenswerkes behält er für
sich: "Weil der zu genial ist, den klaut mir sonst noch jemand."
Freundin Beate - Geschäftsführerin eines Restaurants - sorgt charmant
dafür, daß Jamiri in seinem Comic-Kosmos nicht abhebt: "Unterbrich
diesen Blödsinn da, und hilf mir beim Spülen! Du kannst später
weiterkritzeln!" Da entdecken wir Frauen sofort die Beate in uns allen.
Ein idealer Comic, um zu beweisen, daß andere Frauen auch nicht netter
zu ihren Kerlen sind. "Manchmal war Beate so gemein zu mir, daß sie
schon selber lachen mußte", meint Jamiri trocken.