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    Genie Strich - "Das ganze Leben ist ein Comic"
(Maxi - Sonja Heuser - 1995)

 
         
   
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Andere schreiben ihre Erlebnisse in ein Tagebuch. Nicht so der Student Jan-Michael Richter:  Er zeichnet und veröffentlicht sein Privatleben

Comics kommen Ihm nicht ins Haus. "Nee, auf keinen Fall kauf ich mir welche", meint Jan-Michael Richter (30). Warum auch? Er zeichnet sie schlieþlich selbst. Und da will er nicht Gefahr laufen, die Ideen anderer Zeichner nachzumachen.

Aber seine Sorge ist unbegründet. Jan-Michael Richter - kurz Jamiri - bringt nur Geschichten zu Papier, die er selbst erlebt hat. "Na ja! Mehr oder weniger jedenfalls. Manches erfinde ich auch" schränkt der Essener Student für Illustration und Kommunikationsdesign ein.

An Inspiration mangelt es Ihm nicht, denn "das ganze Leben ist ein Comic". So wie das Frühstück mit seinem Herzblatt Beate (siehe oben).

"Mal mich ja nicht häßlich!" war die einzige Bedingung, die Beate Kleinschmitdt (30) stellte. Ansonsten darf ihr Lebensgefährte die Szenen einer eheähnlichen Gemeinschaft unzensiert zu Papier bringen. Als Reality-Comic.

Jamiris Karriere als Comiczeichner begann 1988 an einem Kneipentisch: Er saß neben Leuten, die darüber redeten, daß sie dringend einen Comic-Zeichner für das Bochumer Stadtmagazin "Marabo" suchen. Jamiri mischte sich einfach in das Gespräch ein. Seitdem verfolgen die Bochumer Monat für Monat seine autobiographischen Abenteuer. Im bundesweiten Hochschulmagazin UNICUM können Studenten sein Comic-Coming-out seit 1993 miterleben.

"Ich bekam von Anfangn an wahnsinnig viele Leserbriefe. Die Leute wollten unbedingt einen Comic-Band", freute sich der Künstler.

"Carpe Noctem" (UNICUM Edition) kam 1994 auf den Markt. Nun gibt's den zweiten Band des Comic-Stiptease aus dem Hause Jamiri: "Bohéme 29".

Bei so viel Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache wundert es kaum, daß es selbst Jamiris Eltern schwerfällt, zwischen Comic-Sohn und Realitäts-Sohn zu trennen. Als die Zeitung einen Jamiri-Comic über einen Unfall abdruckte, rief seine Mutter besorgt an:"Junge, wie geht's dir?"

Jamiri sitzt gerade über Band drei seiner Alltagsaufzeichnungen. Der wird gleichzeitig Diplomarbeit. "Irgendwann muß ich ja mit dem Studium fertig werden." Den Titel seines neuen Lebenswerkes behält er für sich: "Weil der zu genial ist, den klaut mir sonst noch jemand."

Freundin Beate - Geschäftsführerin eines Restaurants - sorgt charmant dafür, daß Jamiri in seinem Comic-Kosmos nicht abhebt: "Unterbrich diesen Blödsinn da, und hilf mir beim Spülen! Du kannst später weiterkritzeln!" Da entdecken wir Frauen sofort die Beate in uns allen. Ein idealer Comic, um zu beweisen, daß andere Frauen auch nicht netter zu ihren Kerlen sind. "Manchmal war Beate so gemein zu mir, daß sie schon selber lachen mußte", meint Jamiri trocken.